Den Ausdruck der „Goldenen 20er“ kennt wahrscheinlich jeder, denn heute spricht man nach wie vor gerne von dieser Zeit. Der Grund: Nach dem ersten Weltkrieg erwachten die Menschen zu neuem Lebensmut, man wollte Freiheit und Vergnügen leben, die verlorenen Zeiten des Krieges nachholen. Die Vorstellungen von einem glücklichen und spaßbringenden Leben, verbreiteten sich in großen Teilen der Gesellschaft und spiegelten sich überall wider. Beispielsweise in der Musik, aber vor allem auch in der Mode.

Von Kostümen in Herrenfasson und Coco Chanel

Knielange Röcke wurden geboren, Kostüme in Herrenfasson erschaffen und auch das „kurze Schwarze“ fand seinen Weg, dank Coco Chanel, einer unglaublich talentierten Designerin. Die Kleider waren zumeist gerade geschnitten, hingen lose und locker am Körper, Taille, Brust und Hüfte brauchte man nicht zeigen, man wollte die geschlechtlichen Unterschiede aufheben und nicht länger zwanghaft zur Schau stellen. Alles schrie nach Veränderung, man trug Bubiköpfe, Bubikragen, Boas, strenge Kleider mit viel Bein und man stolzierte nie ohne eine Zigarette mit langer Zigarettenspitze durch die Öffentlichkeit. Kaum ein anderes Jahrzehnt war so prägend für unsere heutige Modewelt, wie die 20er.

Die Männermode in den 1920ern wird auch heute noch als „stilvoll, schick und gekonnt aufeinander abgestimmt“ beschrieben. So kam damals der so genannte Stresemann-Anzug auf den Markt, bestehend aus einer schwarzen Jacke, natürlich einer passenden, dunklen Weste und einer gestreiften Hose. Man trug diese Kombination meist zu offiziellen Anlässen. Seinen Namen verdankte der Stresemann-Anzug dem damaligen deutschen Reichskanzler Gustav Stresemann, welcher diesen Anzug nur allzu gerne trug. Damit noch nicht genug, denn in den 20ern trug man Hüte oder Schirmmützen auf dem Kopf, je nach Anlass versteht sich. So war es meist ein zur Hose passender, gestreifter Homburg-Hut mit hochgezogener eingefasster Krempe. In der Freizeit trug man eher die Schirmmütze, wie sie auch dann zu keiner Jahreszeit wegzudenken war.

Die Festkleidung des Mannes – Frack und Smoking

Bis heute geblieben, aber aus den 1920er Jahren stammend, ist der Frack und der lässigere Smoking. Sie waren Teil einer jeden festlichen Veranstaltung. Im Alltag ging es weniger elegant, dennoch schick zu, denn auch dort trug man gerne Anzüge, wie etwa einen Sakko mit passender Hose, Bügelfalte und Aufschlag. Wer es sportlicher mochte, der trug mit stolz Trenchcoat oder kurze Knickerbocker. Die Möglichkeiten waren vielseitig, man probierte sich aus, fand seinen Stil und wurde zum Gentleman. Ein Gentleman wusste nicht nur mit Frauen umzugehen, er konnte sich auch entsprechend kleiden.

Neben den adretten Anzügen, Smokings und Hüten, veränderten sich auch die Accessoires, wie es sie vorher eigentlich gar nicht gegeben hatte. So waren Hosenträger nicht mehr nur ein Mittel zum Zweck, sondern ein modisches Accessoire. Auch der Gürtel wurde durch die Hosenträger ersetzt und passend zum Hemd kombiniert. Einfache Armbanduhren waren ebenfalls kurzfristig aus der Mode, sodass man eine schöne Taschenuhr trug und diese in seinem Sakko verstaute, um jederzeit einer Dame die Uhrzeit nennen zu können. Das einzige, was wir heute so gar nicht mehr vertreten, sind die Siegelringe oder Monokel, die ausklappbaren Lesehilfen, bestehend aus nur einem Glas.

Gleichheit innerhalb der Mode

Mode machte Freude, sie veränderte etwas und man konnte endlich derjenige Mensch sein, der man lange sein wollte. In den 1920er Jahren gab es deshalb eine Art Demokratisierung der Mode. Vermutlich lag dies an der eintretenden Einkommensverteilung der Bevölkerung, aber wohl auch an den einheitlichen modischen Linien, welche die 20er prägten. Es gab keine Unterschiede mehr zwischen Arm und Reich, jeder trug diese eine Silhouette und die Gesellschaftsschicht vermischte sich. Alle Frauen trugen kurze und gerade Kleider mit tiefsitzender Taille. Die Haare waren kurz geschnitten und die Hüte lagen eng am Kopf. Sicherlich gab es aber Unterschiede in Sachen Stoffqualität und Verarbeitung, woran man letztendlich doch die Mittelschicht von der Oberschicht unterscheiden konnte. Knabenhaft und sportlich – das war die Mode der 20er, wie sie sich aber bereits Anfang der 30er schon wieder stark wandelte, hin zur feminineren Mode.

Wandel von Anfang bis Ende der 20er

Innerhalb der 20er Jahre passierte modisch betrachtet unglaublich viel, vor allem in der Herrenmode. Zu Beginn des Jahrzehnts schnitt man die Hosen schlank und die daraus entstehende Figur nannte man Stundenglasfigur. Die Hüfte und Schultern waren gleich schmal und die Taille des Jacketts entsprach der natürlichen Taille. Man verstand etwas von Symmetrie. Die Knöpfe waren übrigens entsprechend hoch angesetzt. Im weiteren Verlauf der 20er Jahre machte man die Schultern breiter und die Taille des Jacketts wurde länger. Die Hosen schnitt man weiter, sie behielten jedoch lange ihren Umschlag. Kniebundhosen und Knickerboxer waren ebenfalls lange beliebt, sowohl im Alltag als auch beim Sport. Sie saßen auf natürlicher Taillenhöhe; heute würde man sie mit „High Waist“ beschreiben. Tatsächlich waren es früher überwiegend die Herren, die High-Waist-Hosen trugen, nicht die Frauen.

Der Anzug – mehr als eine Formalität in den 1920ern!

Heute ist der klassische Anzug in all seinen modischen Facetten eine Art Statement, eine Formalität und ein Symbol für Zugehörigkeit, vielleicht auch Macht und Seriosität. Er gehört in vielen Berufen sogar pflichtmäßig in den Berufsalltag, ist somit eigentlich gar nicht mehr wegzudenken. Für einige andere ist der Anzug heute etwas, mit dem er sich nicht identifizieren kann oder will. Viele Männer tragen heute anstelle von Anzügen andere modische Kleidungsstücke, beispielsweise Chinos oder andere alternative Stücke. In den 20er Jahren undenkbar, denn zu dieser Zeit gehörte der Anzug eigentlich überall dazu, sowohl in die Freizeit als auch in den Beruf. Man ging ohne ihn nicht aus dem Haus und man könnte vielleicht sogar behaupten, dass die Herren damals kaum alternative Outfits im hatten.

Um die Abendgarderobe von der Freizeitkleidung abzugrenzen, trug man tagsüber gerne hellere Anzüge, die Abendgarderobe bestand aus feinen Smokings oder Fracks. Dazu trug man natürlich immer Hüte. Im Winter waren es Filzhüte, im Sommer eher Hüte aus Stroh. Die Schiebermützen waren Arbeitsmützen oder Mützen für den Sport, man könnte beinahe behaupten, sie waren die Vorgänger des heutigen Cap.

Retro modisch machen – Looks aus den 20ern heute tragen

Wir lieben die 1920er und wir lieben die damalige Mode an den Herren, sind sie doch das Sinnbild eines Gentlemans gewesen. Doch ganz verloren gegangen ist uns diese Zeit zum Glück nicht, denn auch heute noch lassen sich modische Hüte, Hosenträger oder Anzughosen mit Streifen toll kombinieren. Wie sagt man so schön? Alles kommt irgendwann wieder. Vielleicht auch irgendwann die Mode der 20er Jahre auch? 😊

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